Warnungen
Bereits meine Eltern sahen die Gefahr eines frühen Todes durch meinen ausgeprägten Bewegungsdrang voraus und schnallten mich im Kinderwagen an einen Ledergurt. Heute schnalle ich mich zwar im Auto an, aber schon der Gedanke an eine Krawatte verursacht bei mir Atemnot, weshalb ich keine besitze.
Als ich mich, etwas älter, tagelang mit Räucherstäbchen und Gitarre in mein Zimmer setzte, um Cat Stevens nachzuspielen und selbst noch viel bessere Songs zu schreiben, machten Sie sich sorgen, ich würde in Drogenszene driften. Ich hab es aber nur bis zum Wein geschafft. Schließlich, als ich den Wehrdienst verweigerte, war quasi besiegelt, dass ich die Banklehre nun knicken könnte und wahrscheinlich mein Leben lang im Krankenhaus alten Leuten den Hintern abwaschen würde. Das mit dem Krankenhaus stimmte, aber ich war immerhin "am anderen Ende" beschäftigt, nämlich beim Essen.
Auch meine Lehrer sahen meine berufliche Zukunft in Gefahr, weshalb ich besonders in Deutsch wegen meiner gewagten Thesen und Interpretationen hinsichtlich der Aussage einiger Werke klassischer Literatur und meiner kreativen Art mit der deutschen Rechtschreibung umzugehen, immer äußerst schlecht benotet wurde. PAH! Heute gibt es Wikipedia und Rechtschreibprogramme und einen Teil meiner Arbeit macht das Schreiben aus.
Ähnlich besorgt waren meine Verwandten, die schon unseren Wohnort als Garanten für das Abgleiten ins kriminelle Milieu ausmachten, ein Verlassen des Ghettos ausschlossen und eine Anstellung als Hafenarbeiter als Karriereende in Aussicht stellten. Heute wohnen diese immer noch im miefigen Neugraben, der Schwiegersohn ist im (bei mir ja auch immer im kriminellen Verdacht stehenden) Finanzwesen tätig und ich bin bei Bundesland 8 und meine größte kriminelle Handlung war das Schwarzfahren.
Eine alte Freundin warnt mich gerne wiederholt vor den Folgen meines Hanges zu Computerspielen. Sie schätzt die Gefahr, dass ich mit einer Pumpgun auf Enten oder dergleichen schieße zwar nicht sonderlich hoch ein (womit sie Recht hat), aber hält dies Tun für vergeudete Zeit, die man zum Wohle der Psyche besser nutzen könnte. Sie spiele zum Beispiel lieber Doppelkopf. Wer schon mal einer Doppelkopfrunde beigewohnt hat, weiß, dass dort nicht selten ein Aggressionspotential entsteht, gegen das es manch Egoshooter schwer hat.
Nun bin ich vom Glück sogar so verwöhnt, dass auch meine Chefin die Gefahr eines zu gleichförmigen Arbeitsprozesses auf Psyche und Gesundheit erkannt hat - und sich gerne neue Projekt aussucht, die mit einen geringen Maß an Erfolgschancen ausgestattet , echte Herausforderungen sind.
Wenn ich dann am Abend beim Wein mein Leben so betrachte, kann ich mich eigentlich doch sehr glücklich schätzen. Ich darf nur am nächsten Tag nicht zum Arzt gehen, weil der es auch nur gut mit mir meint, wenn er nach dem Weinkonsum fragt...
P.s.: Falls sich hier irgendjemand wiederfindet und beleidigt ist, möchte ich daraufhin hinweisen, dass dieser Beitrag als Mischung zwischen Fragmentsammlung, Satire, Schwank und Biografie zu verstehen ist.























Aus der Produktbeschreibung...
...durch den magnetischen Kopf der Nadel lässt sich der Korken leicht und elegant am Kragen anklicken und wieder lösen, etwa wenn Gäste am Tisch Lust verspüren sollten, den Duft des Korkens genauer zu untersuchen...
Herrschaften, wenn ich Wein trinke, schnupper ich doch nicht am Korken, weil - der riecht nämlich nach Korken, sondern wenn schon - am Wein. Und "untersuchen...." Gottchen. Das ist doch keine Diplomarbeit....