Ich finde es ist Zeit, einmal ein paar Worte zur deutschen Kaffeekultur zu verlieren.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass man im Ausland mit Stolz präsentierte Schilder finden konnte, auf denen „Deutscher Filterkaffee“ als Besonderheit angepriesen wurde. Und das nicht nur in unserem siebzehnten Bundesland auf den Balearen! Etwas mehr Arroganz schlug einem dagegen schon in manchem „Sonntags-Oma-Café“ entgegen. Nicht selten war auf der Terrasse ein „Draußen nur Kännchen!“ im militärischem Befehlston zu hören.
Und heute….? Café Olé, Latte macchiato, Schümli. Espresso & Co beherrschen inzwischen das Kaffeeland. Nun ist gegen eine Erweiterung des Angebotes ja nichts zu sagen, aber nach reiflicher Überlegung, will ich meinen Filterkaffee wieder ins Programm aufgenommen wissen. Und zwar aus den folgenden Gründen:
Latte macchiato
Sicher momentan der Star unter den Kaffees. Nun sieht das Zweiphasen-Gemisch aus Espresso und Milch wie es sich umeinander schmiegt sicher sehr schön aus und bietet Freunden des Wortes auch vielerlei Assoziationsmöglichkeiten philosophischer und sexueller Art.( Gabriel Barylli hat dies zum Beispiel in seinem „Butterbrot“ sehr nett beschrieben.) Aber rein praktisch verbrenne ich mir beim Latte jedes Mal die Fingerspitzen. Und mal ehrlich: Wenn er schmecken soll, muss man ihn doch umrühren.
Espresso
Ist wie ein Quicky. Dagegen ist, wenn es nicht zur Gewohnheit wird, ja nichts zu sagen. Männer haben dabei aber nicht mal die Zeit, mehr als ein oder zwei Bundesliga-Begegnungen des Wochenendes zu analysieren. Frauen können nur die Beziehungsprobleme einer Freundin lösen. Wer glaubt, zwei Expressi oder gar ein „doppelter“ würden das Vergnügen erhöhen, verweise ich auf die eingangs gebrauchte Metapher des Quickys.
Cappuccino, Café Olé/Milchkaffee
Den Cappuccino gibt es als Alternative zum Filterkaffee schon sehr lange. Ebenso, wie beim Milchkaffee, der anfangs gerne in schnell auskühlenden, henkellosen Halbkugeltassen serviert wurde, sind beim Cappuccino die Zeiten da er mit Sahne serviert wurde, gottlob vorbei. Durch die Schaumkrone haben Männer noch Zeit für die 2.Liga und Frauen können der Freundin die neuesten Macken des eigenen Freundes mitteilen, so dass wieder neuer Gesprächsstoff für andere Runden da ist.
All dass hilft aber nicht, wenn man (wie ich) kein Freund es Milchschaums ist. Als Alternative sind sie ok, aber als dauerhaften Ersatz taugen Cappuccino und Café Olé nicht.
Nespresso, Senseo, Cafissimo & Co.
Diese für den Hausgebrauch bestimmtem Varianten sind gut geeignet für den erfolgreichen Single-Hausmann, der morgens schnell auf Betriebstemperatur kommen muss oder am Abend nur wenig Zeit hat, sich zu erfrischen, weil ein abendlicher Termin ansteht. Aber was tun, wenn mal Besuch kommt? Bis der letzte Gast seinen Kaffee hat, will der erste schon wieder Nachschub. Abgesehen davon sind die Pads und Kapseln ökologisch und was den Preis betrifft eine Katastrophe. Aber im muss zugeben. Die Maschinen sehen gut aus. Mit allerlei Accessoires wie Kapselspender und Kakaopulverstreuer ausgestattet, wertet es eine Küche auf.
Tja, so sieht sie für mich aus, die neue Kaffeewelt.
Ich glaube, nächstes Jahr geht es mal wieder nach "Malle", Filterkaffee trinken.