Championade
Was endlich die Hauptsache, das Trinken des edlen Weines anlangt, so stehen sich in diesem Punkt eine englische und eine französische Schule ziemlich schroff gegenüber. Die Franzosen nehmen ihren Crémant nur zum Dessert und befinden sich dabei um so besser, da der Champagner in diesem Falle dank seiner lieblich erregenden Wirkung einen verklärenden Schimmer auf die ganze Sitzung wirft und zum Schluss noch jedem Tischgenossen die Möglichkeit bietet, sich von seiner vorteilhaften Seite zu zeigen und dann heiteres Sinns von der Gesellschaft zu scheiden. Die Engländer dagegen behaupten, der Champagner errege nach dem Mahle Übelkeit (was man bei dem Stande ihrer Kochkunst ohne Weiteres glauben darf), und servieren ihn daher seit etwa einem Menschenalter gleich von Anfang der Mahlzeit neben jedem Gerichte. Der wahre Grund der Abweichung vom französischen Brauche ist gedoch geplanter Natur: die englischen Damen verlassen bekanntlich unmittelbar nach dem letzten Gang den Tisch und würden also um den ruhigen Genuss des Champagners kommen, wenn derselbe ausschließlich zum Dessert erschiene.(Appetit Lexikon 1894)
Nach meinem Abstecher in das nachkarnevalistische Köln am Sonntag muss ich sagen: Junge Junge, die Zeiten haben sich geändert!

