Sonntag, 28. Februar 2010

Müffelchen

Das ausgerechnet ein Kinderbuch mich nach über einem  Jahr wieder meinen verstaubten Blog aufmachen lässt, soll wohl was heißen. Ich hatte die Ehre von meiner Frau auf unserem Dänemarktripp abends am Kamin "Rico, Oskar und die Tieferschatten" und auch den zweiten Band, in dem es um das "Herzgebreche" geht, vorgelesen zu bekommen.

Und was soll ich sagen, die Geschichte um die Freundschaft eines "Tiefbegabten" Jungen mit einem Hochbegabten ist..., ist.... "knorke!". Ich wähle absichtlich dieses altberliner Wort, das heute eigentlich durch "geil", "fett" oder ggf. "voll porno" ersetzt werden würde, weil das Buch nicht nur in Berlin spielt, sondern meiner Meinung nach auch an die Erzähltradition der großen Berliner Autoren, wie Kästner und Tucholsky - oder auch Klaus Kordon anknüpft, aber dabei modern ist.

Nun will ich gar nicht zu viel von den beiden Büchern erzählen, aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht besonders Augenmerk auf das Essen legen würde. Und das kommt bei Oskar (dem Hochbegabten) nicht zu kurz. Toll wie Andreas Steinhöfel beschreibt, wie Oskar, der auf Grund seines Wissens um die Herstellung mancher Lebensmittel eigentlich Bio-Anhänger ist, aber bei Falaffel, Pizza und Nutella schwach wird. Die Krönung sind jedoch für beide die "Müffelchen" von Frau Dahling, einer alleinstehnden Dame, die im selben Kreuzberger Mietshaus wie Rico wohnt. (Nahe dem(!) Urbankrankenhaus, in dem ich mit nach post- anaphylaktischer Schock-Cortisonbehandlung meine ersten Blutwurstbrote mit heute nicht mehr vorstellbarem Appetit verschlang.)

Äh, wo war ich?. Richtig: Müffelchen - Müffelchen....? Äh ja, man nennt sie auch Schnittchen, Schiffchen oder (je nach Landstrich noch ganz anders). Also belegte Brote in handgerechte Stücke geschnitten mit Gürckchen, Silberzwiebeln oder "dergleichen". Wer wissen will, warum letzte Wort in Gänsfüßchen steht, muss die Bücher schon selbt lesen.

Mein Highlight ist aber die Geschichte, wie die beide eine unfreundliche Eisverkäuferin in den Wahnsinn treiben, indem ihre Tiefbegabt-, und Hochbegabtheit gezielt in Kombination einstzten.

Daneben sind die Titel durchaus sehr spannend geschrieben und man merkt, dass auch an einem Kinderbuch bisweilen ganz schön gefeilt werden kann.

Wer jetzt noch unentschlossen ist: Der erste Teil hat den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 bekommen. Aber das Argument sollte eigentlich nun nicht mehr bötig sein.

Bingo!

Kommentare:

Butterbemme hat gesagt…

*hust* *röchel*
Hast hier ja ganz schön Staub aufgeworbelt ;-)
Schön, mal wieder hier was zu lesen, auch wenn ich nicht so auf diese Art von Literatur stehe :-)

unkita hat gesagt…

Tja, hast ja schnell reagiert, dank des Reminders ;-)

Aber ehrlich, viele so genannte Jugendbücher sind viel besser als man denkt.

Falcon hat gesagt…

"Müffelchen" find ich für Berlin ja eher untypisch - hier werden eher "Stullen" oder, richtig schlimm, "Bemmen" gegessen.
Schön, mal wieder was von Dir zu lesen!

Orinoko hat gesagt…

Hier sinds Knierften, wo ich doch viel lieber Butterbrot esse. Ein Kinderbuch habe ich allerdings schon sehr lange nicht mehr inHhänden gehalten, allerdings hat Frau Pia in ihrem Blog www.piadettmer.de letzte Woche noch von "Grete Rakete" geschwärmt, eine Dame die ich bisher nur aus einem uralten Endlosgedicht Vom Oberförster Hintermoser kannte.
Aber erst einmal ein herzliches: Welcome back! Sie waren wirklich lang weg vom window :-)

unkita hat gesagt…

@falcon: JA, ich kann mcih auch noch an die Stulle erinnern, aber Müffelchen passt ja doch irgendwie besser. Und "Heißa" - es ehrt mich, dass du hier scheinbar immer noch mal vorbeischaust ;-)

@orinoko: Die Grete ist an mir vorbeigegangen, dazu ist die Frau Dettmer vielleicht zu jung ode rich zu alt? Auch dir ein Danke-Scjön, dass su scheinbar immer mal wieder vorbeischaust.

Falcon hat gesagt…

Solange Du in der Linkliste stehst, gebe ich die Hoffnung ja nicht auf, mal wieder etwas von Dir zu lesen ;-).

Meise hat gesagt…

Schön, dass du wieder hier bist! :)
Ich finde übrigens auch, dass so manch ein Kinder- oder Jugendbuch durchaus so geschrieben sein kann, dass auch Erwachsene daran Freude haben können.
Kleiner Tipp von mir in dieser Richtung: Schlimmes Ende von Philip Ardagh