Montag, 23. Juni 2008

Eifellhochzeit

Am Wochenende ging es zu einer Hochzeit von Freunden in die Eifel. Wer es nicht weiß, man ist dort meist Bauer und allermeist katholisch. Als Ex - Evangelist war dies mein erstes Zusammentreffen mit dem Katholizismus bei einer Hochzeit. In meiner Kölner Zeit ist das Treffen irgendwie nie zustande gekommen.

Die Zeremonie begann meinen Erwartungen nach damit, das der Pope sich ausführlich darüber ausließ, dass das was Gott zusammengeführt, nicht vom Menschen… usw. Was mich dann aber wirklich erstaunte, war dass die Katholiken offenbar einen einstudierten Ritus bei Trauungen oder gar bei Gottesdiensten ganz allgemein haben. Zunächst steht man ca. jedes zweite oder dritte Lied auf. Für mich nicht erkennbar, nach welcher Regel. Dann weiß die Gemeinde genau, wann in welchem Gebet man etwas einwirft. Was habe ich leider so gut wie nie verstanden. Aber es war mehr als ein schlichtes "Amen". Positiv vermerken konnte ich, dass das Liedgut irgendwie fröhlicher als bei den Evangelisten ist. Das kann aber auch an der Auswahl des Paares gelegen haben. Sehr schön auch, dass die Songs kürzer sind, als ich es von der Konkurrenz kenne.

Highlight der Veranstaltung war der Küster, der (im wahren Sinne) Gott sei Dank den Großteil der Zeremonie durchführte. Traute er sich doch ganz öffentlich zu verkünden, dass sich die beiden während des Kölner Karnevals näher gekommen sind, der bei der katholischen Kirche gleich nach Blasphemie in der Liste der Todsünden steht.

Schön auch war, dass man bei den Katholiken keinerlei Hemmungen hat, die Lieder, deren Texte selbstverständlich alle auswendig kennen, aus vollem Halse mitzusingen. Mitunter entspannte sich sogar eine Art Gospel zwischen dem Küster und der Gemeinde. Auch hier wieder ungewöhnlich, dass alle wussten, wer wann was zu singen hat. Klar, dass auch das Vaterunser gesungen wurde.

Aber auch in der Eifel scheint sich die Kirche in Zukunft etwas wärmer anziehen zu müssten. Bei der abschließenden "Kommunion?" knieten sich nur ca. 80% der Anwesenden auf die Fußbank.

Bleibt abschließend nur noch festzuhalten, dass die Damen (es waren wirklich nur Damen!), die am inbrünstigsten am Gottesdienst teilnahmen, dann später die waren, die auch am inbrünstigsten tanzten, was vermuten lässt, dass meine vor Jahren hier mal ausgeführte Theorie über die Symetrie von Tanz und Sex ggf. noch um das Gebet erweiterbar wäre.

Allerabschließend möchte ich aber noch bemerken, dass ich mich hier nicht über Gläubige Menschen lustig machen will. Es geht mir schlich darum, meinen persönlichen Eindruck zu schildern.

Kommentare:

Falcon hat gesagt…

Hochzeiten in der Eifel - ein ganz heikles Thema.
Wir sollten mal auf einer Musik machen. Das war dem Brautvater dann aber zu laut, so dass er nach unserem dritten Stück Slavko Avseniks Oberkrainer einschaltete, mindestens doppelt so laut, wie wir es waren. Wir haben dann eingepackt und sind gegangen.

Aber anderes Thema - die Katholen. Ich war ja selber jahrelang in dem Verein tätig und kann Dir nur zustimmen. Gebete und deren Antworten kennt man halt auswendig und das Liedgut wird aus vollem Halse zelebriert.
Das mit der Kürze der Lieder ist aber stark pfarrerabhängig - unserer bestand z.B. immer auf mindestens drei Strophen pro Lied.

Fatal hat gesagt…

Also vorab, ich komme ja aus dem vorw. evangelischen Mittelhessen.

Die Ausführungen hören sich für mich ja so an als ob das ein längerer Trau-Gottesdienst war.
Die auf denen ich bisher bei uns zu Gast sein dürfte waren in der Regel sehr kurz. Zum Glück für mich.

Lily hat gesagt…

Bei den Katholen kann man "nur Trauung" oder "mit Messe"- letzteres ist länger.
Ich war 35 Jahre lang katholisch, und hab auch nie verstanden, warum ständig aufgestanden und hingesetzt wird. Aber man tut es, weil man nach elfzig Jahren wirklich genau weiß, wann man es tut... Die Zwiegesänge Küster/Kantor/Organist vs. Gemeinde sind durchaus üblich. Auch Kanon, oder andere Formen von mehrstimmigem Singen oder "verteilten Rollen" kommen oft vor.
Meinen ersten Karneval hab ich in der Kirche/mit der Kirche gefeiert, nämlich im Kindergarten in den sechzigern. Dass der Kölner Karneval grundsätzlich irgendwie negativ eingeschätzt wird ist mir neu.
Und in Großstadtgemeinden kniet nur noch eine Handvoll Hartnäckiger (Fundamentalisten?) zur Kommunion. Die meisten stehen.

Ich war übrigens vor 14 Tagen in einer evangelischen Kirche zu einer Trauung. Mir fiel auf, dass ziemlich wenig Drumherum stattfand :-)
Also keine Gymnastik beim Sitzen, kein üppiger Gesang, und erheblich weniger Leute um den Altar unterwegs.

Exkatholische Grüße,

LIly

unkita hat gesagt…

@falcon: Ja, die Eifelaner sind wirklich ein eigenes Volk. Aber die Exemplare auf deren Hochzeit wir waren, gehörten zu der Sorte "normal". Die Melodie der katholischen Lieder gefiel mir aber ausnehmend gut, im Vergleich zu dem doch sehr getragenen evangelischen Liedgut.

@fatal: Ja, die ganze Trauung hat ca. 1.45 gedauert. So lange wie ein guter Film ;-)

@lilly: Danke für die ausführlichen Erklärungen. Ich seh, dass auich die katholische Kirche im "Aufbruch" ist. Wird ihnen wohl auch nicht viel anderes übrigen bleiben, wenn überall die Mitglieder austreten... Was das Evangelische angeht hast du Recht. Alles etwas verhaltener... Bis ich nach Köln gezogen bin, war mir übrigens nicht klar, welch Einfluss die Kirche auch heute noch auf das Leben des modernen Kölners hat.

Springfloh25 hat gesagt…

*kichert* Schön zusammengefaßt - ich mag ja dieses Rumgehampel, aufstehen, setzten, knieen, mitsingen, mitsprechen. Im Rheinland knieen alle, bis auf das fußkranke Volk, sprich ältere Damen und Herren. Da ich schon bei vielen protestantischen Gottesdiensten war (jahrelang Teamer bei den Jugendtagen im Hamburger Michel!) habe ich ja n ordentlichen Vergleich. Bei den Protestanten bin ich eher in die Versuchung gekommen einzuschlafen, was mich zu dem Schluß geführt hat, dass dieses ständige Aufstehen- Hinsetzen-Ritual der Katholiken genau das verhindern will, denn die Predigten sind zum Teil dort viiieeeel langweiliger.

Ich möchte übrigens noch hinzufügen, dass ich trotzdem nie weiss, wann ich aufstehen, mich hinsetzen, hinknieen muss, von manchen Litaneien kenne ich den Text nicht, von anderen nur die Hälfte, manche ganz - eigentlich ist es jedes Mal ein est für mich, wenn ich den katholischen Gottesdienst zu überstehen, ohne als Oberdepp aufzufallen :)

Springfloh25 hat gesagt…

Est heißt Fest!

unkita hat gesagt…

@floh: Ja, dass das Auf- und Ab das Einschlafen verhindert, hörte ich bei meiner ersten Befragung vor Ort auch. Auf jeden Fall war es eine (wenn auch späte) neue Erfahrung.