Montag, 2. Juli 2007

Killer-Spiel

Dörte, Schülering der sechsten Klasse eines Gymnasiums in Othmarschen, einem gutbürgerlichen Hamburger Stadtteil, direkt vor Blankenese gelegen, ist bei ihren Mitschülern nicht sehr beliebt und immer mal wieder Opfer kleinere und größere Bosheiten. Doch heute scheint sich das Blatt für sie gewendet zu haben: zwei Sprecherinnen der Mitschüler teilten ihr mit, dass sie sich mit den anderen beraten hätten, dass ihnen die Streiche der Vergangenheit leid täten und sie sich daher bei ihr entschuldigen wollten.

Um ihre gute Absicht zu unterstreichen, überreichen die beiden ihr als Geschenk ein Haarpflegemittel und ein Gesichtswasser. Dörte kann ihr Glück kaum fassen und probiert, zu Hause angekommen, gleich beides aus. Was sie nicht weiß: In dem Pflegemittel ist aufgelöste Enthaarungscreme enthalten und dem Gesichtswasser ist Aceton beigemischt.

Beide Mittel reagieren relativ heftig. Dörte wird daraufhin mit schweren Verletzungen an Haar, Haut und Augen ins Krankenhaus eingeliefert.

Kommentare:

Falcon hat gesagt…

Ich würde gerne hoffen, dass das eine erfundene Geschichte ist, aber ich fürchte, das ist sie wohl nicht.

unkita hat gesagt…

Nein, so passiert in der Klasse der Tochter einer Kollegin meiner Frau. Ansich muss man ja mit so Geschichten, immer etwas vorsichtig sein (Stille-Post Effekt und so), aber mich hat das irgendwie ziemlich,... "angerührt". Ein besseres Wort fällt mir nicht ein. Und gerade überlege ich, ob die zwei nicht vielleicht gut Töchter der beiden Damen, die du heute moren getroffen hast, sein könnten.

Falcon hat gesagt…

Zuimindest verwandt könnten sie sein.
Ich frag mich bei sowas immer nur, was in den Köpfen der Kinder vorgeht.
Das sprengt doch den Rahmen von allem, was noch in die Kategorie witziger Streich eingeordnet werden könnte.

unkita hat gesagt…

Geht mir auch so. Man kann sich noch nicht damit rausreden, dass es ja in einer Sonderschule in irgendeinem Brennpunkt-Viertel war.

Rotfell hat gesagt…

Deswegen habe ich nie 1. Essen oder 2. andere Geschenke von den Idioten meiner Schulzeit angenommen (oder angenommen und sofort in der Mülltonne versenkt, sobald ich allein war).

Tut mir leid, es so sagen zu müssen, aber Dörte wirkt ein wenig zu naiv auf mich. Wie als ob sich idiotisches Verhalten herauswachsen würde oder als ob sich Menschen wirklich so grundlegend ändern könnten... das ist ein schönes Märchen, an das Gemobbte gern glauben wollen, das aber leider nie wahr wird.

Ich hoffe, Dörte erholt sich davon und ich hoffe, die Mistweiber bekommen einen dicken fetten Vermerk in der Schulakte, der nie nie nie gelöscht wird. Und ich hoffe noch viel mehr, das man aber nicht laut aussprechen darf - ich koche gerade vor Wut und finde das richtig gut!

Rotfell hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Klapsenschaffner hat gesagt…

Sowas macht mich wirklich fertig... nicht, dass Menschen (wenn auch sehr junge) so gemein sein können, sondern auch, dass sich einige andere Herrschaften über solche Geschichten die Bäuche halten.
Genau die Pappnasen, die diese Geschichte in 20 Jahren in Schiesser Feinripp Unterhemden und einer Dose Faxe am Stammtisch immer wieder zum besten geben... die Frage ist: Wo ist Dörte dann und wie lief ihr leben weiter?
(Mit amüsieren meinte ich natürlich nicht die Leser und den Verfasser dieses Blogs... aber das wisst ihr.)

Klapsenschaffner hat gesagt…

PS: Der Film Carrie kommt einem in den Sinn...

Darth Puma hat gesagt…

Das arme Mädchen! Aber ich muss Rotfell zustimmen. Das Kind ist in der Tat naiv zu glauben, gemeine Menschen würden sich ändern.
Ich hoffe nur, dass das Mädel irgendwann ihre psychischen und körperlichen Leiden überwinden kann. Dies ist nämlich meist noch nach der Schulzeit ein Problem, mit dem die Opfer zu kämpfen haben.

unkita hat gesagt…

@fell: Genau das "naive" hat mich so angerührt. Um so tragischer, wenn das so schamlos missbraucht wird. Und das von den Leuten, die zu der so genannten "Bildungselite" gehören.

@schaffner: Ja und die Frage, ob das Verhalten der beiden Mädels nicht als "genau der Biss" den man haben muss, um in mancher Branche Erfolg zu haben, verstanden/missdeutet wird, hab ich mir auch schon gestellt.

Carrie???

@puma: Ja, das stimmt. Es ist und bleibt für mich "erschütternd" (auch wenn es abgegriffen ist)

Klapsenschaffner hat gesagt…

Carrie.... Stephen King Buch/Film.... Gemobbtes Mädel schlägt zurück usw.

Anonym hat gesagt…

Die Geschichte finde ich ganz, ganz schlimm. Ich muss aber darth puma und rotfell widersprechen. Das Mädchen ist 12! Woher soll sie wissen, dass sich Leute nicht grundlegend ändern werden? Jeder von uns musst diese "schmerzliche" Erfahrung selber erst lernen. Vielleicht waren es bei uns aber nur kleine, harmlose Dinge.
Was ich mit den beiden anderen Mädchen machen würde, weiß ich nicht. Dazu fehlen mir einfach die Worte!

unkita hat gesagt…

@lok: Stimmt, man betrachtet als Erwachsener die Dinge gerne mit dem Erfahrungshintergrund, den man schon hat. Als Jugendlicher/Kind muss man sich den aber erst erschaffen. Da helfen auch keine guten Tipps der Eltern.

Hazamel hat gesagt…

Ohne die Geschichte jetzt abwerten zu wollen, aber damit bestätigt sich für mich mal wieder, dass Frauen/Mädels auf die perfidesten Ideen kommen wenns darum geht einer anderen was auszuwischen.
Ne Freundin von mir hatte das "Vergnügen" zwei Jahre lang auf ein Mädcheninternat zu gehen. Ihrer Aussage nach ist das der blanke Horror was Boshaftigkeit und Zickereien unter den Mädels angeht. Und da sitzt auch nur die "Elite"